Globale Wissenstransfers und Translokale Paradoxien

Religion und Migration

Globalisierung wird gemeinhin sowohl als Treiber als auch als Folge einer wachsenden, grenzüberschreitenden räumlichen Mobilität angesehen. Diese Mobilität geht mit verschiedenartigen Formen des Transfers von kulturell-religiösen, gesellschaftlichen sowie wissenschafts- oder technologiebezogenen Beständen an Fakten, Theorien und Regeln einher.
Das Projekt "Globale Wissenstransfers und Translokale Verpflechtungen" zielt auf die Analyse derartiger globaler Austauschprozesse ab. Es sollen deren Voraussetzungen, Bedingungen und Spezifika sowie die daran beteiligten Akteure, aber auch die mit dem globalen Austausch von Wissen verbundenen Folgen betrachtet werden – in aktueller und historischer ebenso wie in konzeptioneller und empirischer Perspektive. Im Mittelpunkt steht dabei die Erforschung der mit den Austauschprozessen einhergehenden vielfältigen Spannungen zwischen der Notwendigkeit sich kulturell und regional auszudifferenzieren und gleichzeitig global angeschlossen zu sein.

Die den Schwerpunkt kennzeichnenden Forschungsaktivitäten nähern sich diesem Gegenstand dabei aus zwei verschiedenen, einander ergänzenden Perspektiven:
Erstens gilt es, diejenigen Paradoxien in den Blick zu nehmen, die sich infolge des sich global oftmals asymmetrisch vollziehenden Austausches von Wissen/Wissenselementen zwischen zwei oder mehr Standorten unterschiedlicher Dimension (Regionen, Nationalstaaten) einstellen (translokale Paradoxien). So können beispielsweise global verfügbare Informations- und Wissensbestände lokal unterschiedlich interpretiert und entsprechend modifiziert übersetzt und weitergegeben werden – mit der Folge der Ausbildung unterschiedlicher lokaler/regionaler Variationen. Während bspw. digitale Technologien einen nahezu uneingeschränkten Zugang zu Informationen ermöglichen, geben erhebliche Unterschiede in der Informationsverarbeitung und Generierung von Wissen sowie fehlende Möglichkeiten zur generellen Teilhabe an Informations- und Wissensflüssen und die dadurch induzierte zunehmende Ungleichheit weltweit Anlass zur Sorge. Die Heterogenität in der Wissensverarbeitung und -verteilung kann jedoch auch zur gegenseitigen Befruchtung (cross-fertilization) und technologischem und gesellschaftlichem Fortschritt beitragen.

Zweitens gilt es, solche Paradoxien zu fokussieren, die sich infolge der Übertragung von Wissen/Wissenselementen an einem Standort bzw. innerhalb einer Gesellschaft ergeben (lokale Paradoxien). So können beispielsweise im Rahmen von Migrationsprozessen unterschiedliche Weltanschauungen, soziale Praktiken und kulturelle Interpretationsrahmen innerhalb einer Gesellschaft aufeinandertreffen, die es – jeweils in auszuhandelnden Grenzen – anzuerkennen und auszuhalten gilt. Ein anderes Beispiel bezieht sich auf vielfältige neue/fremde Güter, die durch den ersten Globalisierungsschub im 16. und 17. Jahrhundert nach Europa gelangten und deren Aneignung mit sozialen Distinktionsprozessen einherging, die teils quer zur ständischen Ordnung lagen und damit den Ordnungsinteressen der Obrigkeiten entgegenstanden. Im Kern geht es uns in der Auseinan-dersetzung mit der lokalen Perspektive um die Beantwortung der Frage, welche Strategien einzelne Akteure und deren gesellschaftlichen Kollektive in Reaktion auf globalisierungsbedingte Paradoxien im lokalen Kontext entwickeln bzw. welche Folgewirkungen dies auf deren (fluide) Identitätskonstruktionen und (auch digitalen) Kommunikationsformen zeitigt.

Für dieses Projekt wird zum 01.01.2021  ein(e) wissenschaftliche(r) Mitarbeiter(in) m/w/d im Bereich "Güter und Technologien" gesucht.

In Forschungsbereich „Güter & Technologien“ sollen die durch globale Wissensströme induzierten und sich verstärkenden sozialen, technologischen und ökonomischen Ungleichheiten und Paradoxien zwischen Volkswirtschaften untersucht werden. So sollen regionale Disparitäten im Zugang zu und der Nutzung von global verfügbaren Informations- und Wissensbeständen analysiert und Ansatzpunkte für effektive Maßnahmen und Mechanismen entwickelt werden, die diese Disparitäten adressieren und eine größere Teilhabe ermöglichen. Wirtschaftliche und rechtliche ebenso wie kulturelle Ansatzpunkte und Blickweisen sollen dabei einander gegenübergestellt werden.


(eine detailierte Ausschreibung finden Sie hier [pdf, 141 kb])

 

Liberty Foto: Gruppe Liberty

Die Bereiche im Detail:

Güter & Technologien Inhalt einblenden

Sprecher:
Prof. Dr. Matthias Menter (Jun.Prof.), Unternehmensentwicklung, Innovation und Wirtschaftlicher Wandel

Prof. Dr. Uwe Cantner en, Mikroökonomik
Dr. Maximilian Göthner en, Mikroökonomik
Prof. Dr. Daniela Gröschke, Interkulturelle Personal- und Organisationsentwicklung
Prof. Dr. Anika Klafki (Jun.Prof.), Öffentliches Recht, insbesondere transnationales Verwaltungsrecht
Prof. Dr. Edward Schramm, Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Europäisches und Internationales Strafrecht
Prof. Dr. Stefan Strohschneider, Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
Prof. Dr. Silke Übelmesser en, Finanzwissenschaften

 

In diesem Forschungsbereich werden die durch globale Wissensströme induzierten und sich verstärkenden sozialen, technologischen und ökonomischen Ungleichheiten und Paradoxien zwischen Volkswirtschaften untersucht. So sollen regionale Disparitäten im Zugang zu und der Nutzung von global verfügbaren Informations- und Wissensbeständen analysiert und Ansatzpunkte für effektive Maßnahmen und Mechanismen entwickelt werden, die diese Disparitäten adressieren und eine größere Teilhabe ermöglichen. Wirtschaftliche und rechtliche ebenso wie kulturelle Ansatzpunkte und Blickweisen sollen dabei einander gegenübergestellt werden.

Kultur & Religion Inhalt einblenden

Sprecher
Prof. Dr. Michael Wermke,  Religionspädagogik

Prof. Dr. Jürgen Bolten, Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
Prof. Dr. Valeska Bopp-Filimónov (Jun.-Prof.), Rumänistik
Prof. Dr. Christina Brandt, Wissenschaftsgeschichte
Prof. Dr. Juliane v. Fircks, Kunstgeschichte
Prof. Dr. Miriam Rose, Systematische Theologie
Prof. Dr. Thomas Scharinger (Jun.-Prof.), Romanistik
Prof. Dr. Kim Siebenhüner, Geschichte der Frühen Neuzeit, Historisches Seminar
Prof. Dr. Gisela Mettele, Geschlechtergeschichte

Schwerpunkt hier sind in historischer oder gegenwartsbezogener Perspektive die durch translokale Übertragung und Vermittlung von Texten, Medien und Diskursen, Medien, Bekenntnissen und Handlungsgewohnheiten erzeugten kulturellen wie religiösen Ambivalenzen sowie unterschiedliche Strategien ihrer gruppenspezifischen und gesamtgesellschaftlichen Bearbeitung. Untersuchungsgegenstand können bspw. kulturalistische Praktiken von Mehrheitsgesellschaften in der Auseinandersetzung mit den kulturellen und religiösen Selbstbestimmungsansprüchen gesellschaftlicher Minderheiten sein.

Menschen & Gesellschaft Inhalt einblenden

Sprecher
Prof. Dr. Sebastian Henn, Wirtschaftsgeographie

Prof. Dr. Stefanie Hiß, Soziologie mit dem Schwerpunkt Märkte, Organisationen und Governance
Prof. Dr. Thomas Kessler, Sozialpsychologie
Prof. Dr. Franz Neyer, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik
Prof. Dr. Christoph Ohler, Öffentliches Recht, Europarecht, Völkerrecht und Internationales Wirtschaftsrecht
Prof. Dr. Marion Reiser, Politisches System der Bundesrepublik Deutschland
Prof. Dr. Simon Runkel en (Jun.-Prof.), Sozialgeographie

Dieser Bereich beschäftigt sich mit der grenzüberschreitenden Mobilität von Individuen (z. B. Migranten, Geschäftsreisende, Manager) und deren Kollektiven (z. B. ethnische Gruppen) verbundene weltweite Transfer von Wissen und Praktiken, deren Anwendung in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten und sich daraus ergebende (globale) Widersprüche und Synergien.

Sprache & Kommunikation Inhalt einblenden

Sprecher
Prof. Dr. Diana Forker, Inst. f. Slawistik und Kaukasusstudien

Prof. Dr. Holger Dießel, Inst. f. Anglistik/Amerikanistik
Prof. Dr. Volker Gast, Inst. f. Anglistik/Amerikanistik
Prof. Dr. Julia Kuhn, Inst. f. Romanistik
Prof. Martin Kümmel, Inst. f. Indogermanistik
Prof. Dr. Ruprecht von Waldenfels, Inst. f. Slawistik und Kaukasiologie

In diesem Bereich geht es um Asymmetrien und Transferpotenziale in der Sprachtechnologie (z. B. maschinelle Sprachverarbeitung und Übersetzung). Damit sollen konkrete Transferprojekte von 'high resource languages zu low resource languages einhergehen, bei denen linguistische Ressourcen und Technologien, die für größere Sprachen entwickelt wurden, auf kleinere Sprachen übertragen werden. Dabei sollen Themen wie „Digitalisierung“, „Freiheit“ oder „Pandemiemanagement“ bearbeitet werden, etwa unter Verwendung von topic modeling und sentiment analysis.

Querschnittsbereich Methodik & Indikatorik Inhalt einblenden

Sprecher
Dr. Maximilian Göthner en, Mikroökonomik

Prof. Dr. Uwe Cantner en, Mikroökonomik
Prof. Dr. Volker Gast, Inst. f. Anglistik/Amerikanistik
Prof. Dr. Kai Lawonn (Jun.-Prof.), Visualization and Explorative Data Analysis

Dieses Cluster widmet sich der Entwicklung und Analyse von geeigneten Indikatoren für die Beobachtung von Informations- und Wissensflüssen sowie von Technologie- und Wissensräumen und deren Entwicklung. Dabei soll eine multidimensionale Perspektive auf den Wissensbegriff eingenommen werden, die die Messbarmachung von technologischem, kulturellem und sprachlichem Wissen erlaubt.

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